Unsere Geschichte

Wie alles begann

Geschrieben von

Olivia Kaferly

Photographs

Leda Paleari

Wie entstand diese junge, innovative Marke? Alles begann mit der Frage: Wie kann ich mit einem Anzug reisen, ohne dass er bei der Ankunft aussieht wie dreimal getragen?

Michael Kogelnik und Vinzent Wuttke waren zu Anfang ihrer beruflichen Karriere als Investmentbanker tätig und geschäftlich viel auf Reisen. “Wir waren von dem traditionellen Angebot namhafter Gepäckhersteller ziemlich enttäuscht”, erzählt Michael, VOCIERs Schöpfer und Chef-Produktdesigner. “Alle verwendeten das gleiche, herkömmliche Material und Bauprinzip, die sich nur leicht in Stil und Qualität unterschieden. Und keiner löste wirklich das Problem: ein Handgepäckskoffer, welcher Falten eliminiert.”

Gerüstet mit einem Abschluss in Industriedesign, neben Finanz- und Wirtschaftswissenschaften, beschloss Michael seinen Beruf aufzugeben, um sich voll und ganz dieser selbst gestellten Aufgabe zu widmen: Einen Koffer zu designen, der Anzüge nicht knittert. “Ich wollte die Lösung zu dem ewigen Problem, Kleidung auf Reisen in gutem Zustand zu halten, finden.” Nachdem Michael ein erstes Packkonzept erfand, überzeugte er Vinzent, ebenfalls seine sichere Stelle aufzugeben und ihn bei der Mission, die Welt der Geschäftsreisenden zu revolutionieren, zu unterstützen. Um Startkapital aufzubringen appellierten sie erfolgreich an eine kleine Gruppe von Privatinvestoren aus Michaels Heimatstadt Wien. Und somit waren die zwei ehemaligen Banker dazu in der Lage, sich auf das Entwickeln von Prototypen und das bereits patentierte System von VOCIER zu fokussieren.

Was haben Gepäck und die Formel 1 gemeinsam?

Niemand behauptete, es würde einfach werden. Und tatsächlich war aller Anfang schwer. Die Prototypen versagten und es tauchten immer wieder neue Designprobleme auf. “Dennoch war ich entschlossen, mein Ziel zu erreichen und das ausgereifteste, knitterfreie Gepäcksystem zu erfinden”, bestätigt Michael. Um das zu schaffen mussten einige Kriterien erfüllt sein: aufgrund einschränkender internationaler Handgepäcksbestimmungen muss es gleichzeitig leicht, kompakt und strapazierfähig sein, es muss zudem schön sein und es muss ein faltenfreies Resultat gewährleisten.

Ferdinand Porsche soll einmal gesagt haben: “Wenn man nur gründlich genug über ein Produkt nachdenkt, designt es sich beinahe von selbst.” Michael kann dieser Behauptung nachempfinden.

“Man weiß vorher nie, wo seine Inspiration herkommen wird; man muss einfach neuen Ideen und neuen Denkweisen gegenüber offen bleiben.“

Und schließlich kam Michael nach einem besonders anstrengenden Tag nach Hause, ließ sich in seinen Wohnzimmersessel fallen und schaltete den Fernseher ein. Es lief eine Dokumentation über die Formel 1 und innerhalb von nur wenigen Minuten fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen und er wusste, wie das erträumte Gepäcksystem aufgebaut werden musste.

Wo liegt das Gewicht?

Die Dokumentation über die Formel 1 berichtete von Colin Chapmans Fahrzeugkonstruktion, die den Motor seines Team Lotus Rennautos als lasttragende Komponente nutzt, statt auf dem traditionellen Karosseriedesign zu beruhen und den Motor auf das Fahrwerk zu setzen.

Das war die Lösung. Schließlich ist der Motor eines der schwersten und stabilsten Teile des Fahrzeugs. Warum also diese Stabilität nicht als Teil des Fahrzeugs direkt nutzen?

“Ich griff diesen Gedanken auf und übertrug ihn auf Gepäckstücke”, berichtet Michael. Üblicherweise werden Aluminiumröhren, wie sie auch als Teleskopstangen genutzt werden, als stabilste Komponenten außen auf die Hartschale eines Koffers montiert und die Hartschale an sich gibt die Struktur. Allerdings sind tatsächlich die Röhren der stärkste Teil des Produkts, und somit verwendete Michael diese Röhren stattdessen, um daraus das innere Rückgrat des VOCIER C38 zu formen. “Es ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem Haus und einem Zelt”, erklärt Michael. Ein Haus nutzt die Wände als bautechnische Stütze, aber ein Zelt besteht aus Stangen. Ein Zelt ist im Vergleich viel leichter und mobiler als ein Haus und ebenso muss ein Handgepäckskoffer viel leichter und mobiler sein als ein Kleiderschrank. Drei von Michaels Konstruktionszielen waren mit dieser gestalterischen Offenbarung erfüllt: kompakt, leichtgewichtig, und strapazierfähig.

Keine Ecken. Kein Druck. Keine Falten.

Nun zu den Falten. Was erzeugt Falten? Zwei Dinge: viel Druck und ein zu enger Radius. Wenn man beides vermeiden kann, eliminiert man ebenso Falten, und dies war schon immer ein Ziel von VOCIER.

In herkömmlichen Taschen zerknittert Kleidung aufgrund enger Kanten und aufgrund des inneren Drucks vom Packen, welcher auf der Kleidung liegt. Der Design des C38 umgeht beides, erstes indem die Garderobe vorsichtig gerollt statt gefaltet wird und zweitens indem kein zusätzlicher Druck ausgeübt wird. Im Fall des C38 fungiert die äußere Schale des Gepäcks gleichzeitig auch als integrierter Kleidersack, welcher aufgerollt wird und mit einem Reißverschluss versehen ist. Um übermäßig viel Gepäck und Druck auf dem Kleidersack zu verhindern, schwebt die Zero Crease Einlage innerhalb des Gepäckstücks und dient zeitgleich als Polster, in welches zusätzliche Kleidung und Schuhe gepackt werden können.

“Auf dieser Grundlage konnte ich ein Gepäcksystem entwerfen, bei dem Anzüge vorsichtig um eine Innentasche herum eingerollt statt gefaltet werden. Dadurch wird der Stoff nicht zerknittert”, so Michael.

Stilvolle Umsetzung

Von Beginn an war die Idee hinter VOCIER Stil mit Funktionalität zu verbinden. Das Reisegepäck von VOCIER musste gewährleisten, dass selbst der empfindlichste Anzug geschützt und knitterfrei am Zielort ankommt. “Aber gleichzeitig sollten unsere Gepäckstücke aus den hochwertigsten Stoffen und dem weichsten Leder Europas handgefertigt sein“, schildert Michael.

Zugegebenermaßen war der Markt bereits übersättigt mit Reisegepäck, das rein zweckmäßig konzipiert war und einen knitterfreien Kleidertransport für sich beanspruchte. VOCIER musste die ideale Mischung aus nachweislicher Zweckmäßigkeit und stilvoller, modischer Eleganz für die anspruchsvolle Zielgruppe der Business- und Vielreisenden finden.

Eine Frage der Materialen

“Meine Eingebung während der Dokumentation über die Formel 1 Rennen war das erste Puzzleteil. Nachdem wir die Mechanismen des C38 geschaffen hatten, mussten wir sicherstellen, dass die nötigen Materialen unserem Gesamtkonzept gerecht werden. Also haben wir uns auf den Weg gemacht, um die besten Materialen aus der ganzen Welt zu beziehen”, beteuert Michael.

Schlussendlich brauchte es 14 verschiedener Prototypen bis die Geschäftspartner mit dem funktionellen Design ihres C38 zufrieden waren; allerdings musste das Konzept noch perfektioniert werden. Das finale Gepäckstück musste in punkto Stil den edelsten Anzügen der Welt gerecht werden und dabei gleichzeitig außergewöhnlich robust sein, um uns in die Lage zu versetzen, eine Zufriedenheitsgarantie zu gewähren.

“Also machten wir uns auf die Suche nach geeigneten Materialien. Wir testeten 40 Lederarten, 25 Stoffsorten und besuchten 5 verschiedene Hersteller, bevor wir uns schließlich für die Basiskomponenten entschieden”, führt Vinzent aus. Er schlussfolgert: “Jede Naht am C38 war bis ins Detail durchdacht. Vier Mal wechselten wir unseren Reißverschlusslieferanten, nur um sicher zu gehen, die richtige Qualität zu verwenden. Wir stellten Vorführmodelle her, testeten sie und unterzogen sie Belastungsprüfungen und zerstörten sie, um ihre Schwachstellen auszumachen. Nach mehr als drei Jahren der Entwicklung und Optimierung waren wir endlich mit dem Endprodukt zufrieden: der eleganteste und hochwertigste Trolley zum knitterfreien Kleidertransport, den es derzeit auf dem Markt gibt.”